12.08.2015

Rückkehrrecht zur Telekom – Dreiseitiger Vertrag (VTS/VCS) oft unwirksam

Viele Mitarbeiter der VTS und der VCS können zur Telekom zurückkehren, auch nach Weiterverkauf oder Kündigung

Die Deutsche Telekom AG muss einen ehemaligen Mitarbeiter, der mit einem dreiseitigen Vertrag zur Vivento Technical Services (VTS) abgeschoben wurde, zu den ursprünglichen Arbeitsbedingungen wieder einstellen. So lautet das Urteil des Arbeitsgerichtes Bonn. Dieses ist auch für Mitarbeiter interessant, die zur Vivento Customer Services (VCS) wechseln mussten.

Zum Hintergrund: 2004 bis 2005 schob die Telekom tausende Beschäftigte in ihre Tochterunternehmen Vivento Technical Service GmbH (VTS) und Vivento Customer Services (VCS) ab. Dafür sollten die Mitarbeiter einen dreiseitigen Vertrag unterschreiben, der u.a. eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit der Telekom vorsah. Bereits damals hegten viele den Verdacht, dass die Telekom so ihre Angestellten unter Umgehung des Kündigungsschutzes loswerden wollte. Viele weigerten sich daher, diesen Vertrag zu unterschreiben. Andere fügten handschriftlich Vorbehalte ein. Ein solcher Vorbehalt ermöglichte nun zwei Mitarbeitern die Rückkehr zur Telekom. Bereits 2014 entschied das Arbeitsgericht Bonn, dass die Telekom einen ehemaligen Mitarbeiter wieder einstellen muss, weil dieser einen solchen Vorbehalt einfügte. Ebenso entschied das Arbeitsgericht Gera mit Urteil vom 08.05.2014. Diese bisher nur wenig beachtete Rechtsprechung hat für die Telekom eine folgenschwere Bedeutung. Denn nicht nur die aktuellen Mitarbeiter der VCS können sich hierauf berufen. Auch die Gekündigten der VTS und die Weiterverkauften der Customer Services (VCS) haben die Möglichkeit, dieses Rückkehrrecht geltend zu machen.

Die Zahl der „weiterverkauften“ Mitarbeiter geht in die tausende. Viele von ihnen erlitten hierdurch erhebliche Einkommenseinbußen. Denn mit der Abschiebung aus der Deutschen Telekom war das Ende noch nicht erreicht. 2006 wurden die VCS-Mitarbeiter der Niederlassungen Aachen, Dresden, Halle, Lübeck und Magdeburg mit ihren rund 710 Mitarbeitern an die walter-Telemedien verkauft. 2007 galt dies auch für die rund 480 VCS-Mitarbeiter der Niederlassungen Suhl und Cottbus, die an die walter ComCare gingen. Im Mai 2007 waren die Mitarbeiter der Niederlassungen Rostock, Neubrandenburg, Potsdam, Erfurt, Stuttgart und im März 2008 die Mitarbeiter der Niederlassungen Stralsund, Schwerin, Göppingen, Freiburg im Breisgau, Chemnitz und Dresden an der Reihe. Sie wurden von der Arvato Services GmbH gekauft. Zum 31.12.2011 wurden außerdem die VCS-Standorte in Bonn und Norden geschlossen. Mitarbeiter, denen daraufhin betriebsbedingt gekündigt wurde. Alle diese Mitarbeiter können sich auf die Unwirksamkeit des dreiseitigen Vertrags berufen und zur Telekom zurückkehren.

„Ehemalige Telekom-Mitarbeiter sollten dringend ihren dreiseitigen Vertrag überprüfen.“ erklärt der in Leipzig ansässige Fachanwalt für Arbeitsrecht Daniel Frick, der eine Vielzahl ehemaliger Telekom-Mitarbeiter vertritt. „Es kommt nicht darauf an, ob Sie inzwischen bei der VCS, bei der Arvato oder auf Grund einer Kündigung gar nicht mehr beschäftigt sind. Wer nicht oder nur unter Vorbehalt unterschrieben hat, hat Chancen auf eine Rückkehr zur Telekom.“ erklärt der Fachanwalt für Arbeitsrecht weiter. Angesichts der stetigen Tariferhöhungen – die Telekom zahlt inzwischen schon in der Vergütungsgruppe 5 ein Jahreszielgehalt von über 52.000,00 € -, der betrieblichen Altersversorgung und der Unkündbarkeit ab einer Betriebszugehörigkeit von 15 Jahren lohnt sich die Rückkehr für jeden ehemaligen Mitarbeiter. Neben der Rückkehr zur Telekom können diese Mitarbeiter auch nachträglich Lohnansprüche und Ansprüche auf Zuzahlungen zur betrieblichen Altersversorgung geltend machen. „Diese Ansprüche ergeben sich allerdings aus einer Vielzahl unübersichtlicher Tarifverträge, die teilweise miteinander konkurrieren. Wer sich hier nicht anwaltlich vertreten lässt, verschenkt unter Umständen viele tausend Euro.“ betont der Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Pressekontakt:

SOMMERFELD VAN SUNTUM FRICK
Rechtsanwälte Partnerschaft
Daniel Frick, Fachanwalt für Arbeitsrecht
Petersstraße 15
04109 Leipzig
T: 0341 240 868 20
F: 0341 240 868 99
E: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!